If I can’t dance it’s not my revolution

titel
Denkmal Ukraine. oben 2013, unten 2017

(Emma Goldman)
Jeder Mensch trägt einen Teil seiner Erfahrung als Einschreibung im Körper. Diese können durch Tanz, durch den in Bewegung versetzten Körper wieder abgerufen werden. Es entsteht eine Transformation, die Vergangene Erlebnisse mit der Gegenwart verbindet und einen neuen Wirklichkeitsraum entstehen lässt. Der dadurch entstehende Raum lädt dazu ein sich in eine neue Realität zu begeben und sich mit ihr zu verknüpfen.

SYNOPSIS
Ein Foto wird auf der Bühne zu einem Tableau. Ein Tänzer/eine Tänzerin stellt die auf dem Foto dargestellten Positionen nach und geht von der Bewegung in ein Freeze über, bis das nächste Foto gezeigt wird. Im Verlauf des Abends wird das Foto durch immer längere Videosequenzen abgelöst. Zeitgleich verdichten sich die einzelnen Bewegungen des Tänzers/der Tänzerin und lösen sich in eine fließende Bewegung auf. Die Verdichtung überführt die bisher losen Enden der Videosequenzen in ein Narrativ. Zum Schluss bleibt die Projektion aus. Nur noch die aneinander gefügten Bewegungsabläufe sind auf der Bühne zu sehen. Das Archiv der Bilder geht in ein aktives Archiv des Körpers über.

Basis der Performance stellen dokumentarische Filmaufnahmen aus der Ukraine 2014-2015 dar, welche das Verhältnis zwischen Boden, Religion und Politik von Tschernobyl bis Kiew untersuchen. Aus dem bestehenden Filmmaterial werden Bewegungsmuster extrahiert. Der Tänzer greift diese auf und überführt sie in eine haptisch sinnliche Erfahrung! In der Versuchsanordnung werden die Grenzen zwischen Dokumentarfilm und Performance untersucht, gängige Rezeptionsweisen aufgebrochen und auf ihren ideologischen Gehalt hin geprüft.

„Geschichte ist immer dort besonders wo eine Schichtung von verschiedenen
Spuren, Einschreibung und Mythen in der Gegenwart passieren.“ (M. Certeau)

KONZEPT
Vor uns breitet sich die Spielfläche aus. Vorne ist nichts, im Hintergrund ist eine Leinwand für die Projektion von Foto und Video. Es gibt keinen Anfang von Geschichte. Zu Beginn des Stückes stehen Fotos im Zentrum der Projektion. Die Bewegungen des Tänzers/der Tänzerin brechen immer wieder ab, sobald die dargestellte Figur eingenommen wurde. Er/Sie verfällt in ein Freeze. Dieser Stillstand wird immer wieder unterbrochen durch den Wechsel der Bilder. Dieses Verhältnis kehrt sich um, sobald die ersten Videosequenzen anstelle der Fotos eingespielt werden. Anfang und Ende der Positionen werden zunehmend unschärfer und vermischen sich mit den stetig wechselnden Videosequenzen. Gleichzeitig if-i-cant-dance-its-not-my-revolution-it-6springt auch der Inhalt der Bilder von ländlichen Bauern beim Pflügen eines Feldes hin zum brennenden Maidanplatz in Kiew (2013), Arbeiter welche die Straßen nach der Revolution wieder neu pflastern und Denkmäler welche neu gestrichen werden. Sobald das Bestehende zerstört, der alte Boden aufgebrochen wird um etwas Neuem Platz zu machen, treten die Überlagerten Schichten ans Tageslicht. Die historischen und politischen Einschreibungen werden dadurch freigelegt. Der Dokumentarfilm ist bislang durch die etablierten Aufführungsorte stets an bestimmte Rezeptionsweisen gebunden. Diese versetzen den Zuschauer in eine passive Betrachterrolle und lassen keinen direkten Dialog zu. Um ein unmittelbares Erleben für den Zuschauer möglich zu machen, brechen wir die bestehende Einheit von Ton, Bild, Schnitt und dem daraus resultierendem Narrativ auf. Der Fokus soll dabei auf Aspekte der Repräsentation gelenkt werden, hinter denen sich stets eine Herrschaftsgeste verbirgt. Werkstoff ist das bestehende Dokumentationsmaterial aus der Ukraine, welches im Rahmen einer Initiative des ZKM (Zentrum für Kunst und Medientechnologie) entstanden ist. Das Aufbrechen der Form soll ebenso die gängige eurozentristische Sicht auf die Ukraine als auch die damit verbundenen Narrative freilegen.

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